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Von Andreas Hillger,
("Mitteldeutsche Zeitung", 29.11.2005)
Ist das noch Zufall - oder hat es schon Methode? Dass das erste Video von l´arc six keine der üblichen Pop-Posen präsentieren würde, konnte man im Rückblick auf die vier vorangegangenen CDs der Dessauer Band gewiss vermuten. Dass sich Regisseur Hilmar Prüß aber ausgerechnet für die Stop-Motion-Technik entscheiden sollte, um zu "empty my cup" mit größtem Aufwand einen kleinen Trickfilm zu inszenieren, war wohl nicht vorhersehbar - oder?
Rare Auftritte
Wenn man das Entstehen einer energischen Bewegung aus unmerklichen Veränderungen als musikalisches Prinzip begreift, dann blieb dem Filmemacher gar keine Wahl. Denn eben dies ist ja das Markenzeichen der Band, die sich mit raren Auftritten einen exzellenten Ruf erspielt hat: l´arc six arrangiert - wie jetzt beim Bernburger Record-Release-Konzert zum jüngsten Werk "the impossible kingdom" - aufwändige Miniaturen, deren Kostbarkeit in raffinierter Instrumentierung und virtuoser Umsetzung besteht.
So führen die englischen Texte des Saxophonisten Jörg Naumann, die kleine Geschichten und große Gefühle in originelle Bilder fassen, zur Klangspurensuche mit überraschendem Ausgang. In Universum von l´arc six ist die Schönheit von Dosenpfirsischen ebenso bemerkenswert wie der Herbstnebel. Die ganze Welt lädt hier zum Staunen ein - will die Pathosfalle zuschnappen, rettet ein Ausfallschritt auf das sichere Terrain des Absurden oder Heiteren. Weil aber die Band mit dem musikalischen Vordenker Christoph Reuter am Piano, dem Klangtüftler Gerald Manske am Violoncello und dem Percussionisten Thomas Rüdiger alle Tempi und Tonarten beherrscht, leistet sie sich neben der Verstärkung durch Streich- und Holzbläserquartett auch zwei Stimmen.
Große Hoffnungen Und diese Kombination von Kristin Wieduwilts weit gespannten, mühelosen Klangbögen mit Jörg Naumanns enger geführten, konzentrierten Gesangslinien öffnet sich zu einem Spektrum, das auch für das geplante Brecht-Projekt zum Dessauer Weill-Fest große Hoffnungen weckt. In "empty my cup" wird daraus übrigens eine Liebes-Klage, die Prüß zu einer surrealen Szenerie inspiriert hat. Nur die vielen kleinen Karteikästen bleiben eine Irritation. Denn die Schublade, in die l´arc six passen könnte, ist bislang noch nicht gebaut.
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