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Licht am Ufer des Milchflusses



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Grandioses Sextett präsentiert alte und neue
Songs mit fünfköpfiger Verstärkung

Von Andreas Hillger,
Mitteldeutsche Zeitung, 04.05.2004

Dessau/MZ. Das schlimmste Problem an diesem Abend war, dass die Zahl im Bandnamen entweder einen Schritt zu hoch oder zu niedrig lag. Für die Menge der Bögen, die in dieser ersten Maiennacht in der Dessauer Marienkirche tatsächlich über die Saiten strichen, war das Etikett jedenfalls ebenso untauglich wie für jenen Song, der seinen Sucht-Faktor noch immer zwischen den neuen und alten Klang-Räuschen behauptet. Fünf Streicher spielen, „Seven Wonders" weiten das Herz - und das alles heißt dann L´arc six.

Doch solange diese Band lieber einen Bogen zu wenig spannt, um dafür ein Wunder mehr zu vollbringen, bleibt sie unersetzlich. Dass die Zahl der Fans inzwischen den angestammten Konzertort überfordert, ist der Lohn einer erstaunlichen Treue zur Wandlung. Wer sich an Stücke wie „Question" aus früheren Tagen erinnert, wird im Zwiegespräch zwischen Christoph Reuters Rhodes-Piano und Kristin Wieduwilts Stimme ein Mädchen erwarten - und einer Frau begegnen, die sich Seele und Sinne aus dem Leib scattet. Wer die „Icons of Longing" als Zeichen bloßer Sehnsucht übersetzt, muss sich auf Leidenschaft gefasst machen - die zwischen dem Klavier und dem Cello ebenso wie zwischen dem Saxophon und der Sängerin entbrennt.

Dass mit dem Bass und der Gitarre inzwischen zwei Standard-Instrumente fehlen, könnte man als eine Strategie der bewussten Verweigerung deuten - wenn die Band mit dem vereinten percussiven Puls von Thomas Rüdiger und Falk Röske sowie dem auch in seiner Wertigkeit verstärkten Cello von Gerald Manske nicht so überzeugende Argumente gegen diese Konventionen liefern würde. Wenn sich an entscheidenden Stellen erneut ein Streichquartett als klassisch edler Rahmen bewährt, und wenn Rita Hartobanus Harfen-Part „Weightless" tatsächlich zum schwerelosen Schweben bringt, setzen diese Gäste zusätzliche Glanzlichter in ein raffiniertes Klangfeuerwerk.

Ob man diese fast mutwillig ausgespielte Meisterschaft der Standard-Vermeidung nun allerdings in die Schublade „Jazz" einordnen soll, die Kristin Wieduwilt und ihr Gesangspartner Jörg Naumann mehrfach einfordern, sei dahingestellt. Etiketten sind, wie bereits bewiesen, für L´arc six ohnehin untauglich - und werden höchstens gebraucht, um das kaum Greifbare in Worte zu fassen. Sei´s drum: der Fluss der wilden Milch bietet dafür ein ebenso taugliches Bild wie der unaufhörlich wachsende Baum. Und Ermunterungen wie „Jump on the Train" oder „Ride on" möchte man postwendend an jene Künstler zurückgeben, die sie so überwältigend in die Welt gesetzt haben.

Am Ende des Samstagabends, bevor „The Next Song" als Versprechen auf die Zukunft beginnt, wird noch einmal das längst in die Nacht getauchte „Twilight" beschworen. Und tatsächlich ist es wohl diese blaue Stunde zwischen Tag und Traum, in der man dem Geheimnis von L´arc six am nächsten kommt. Den eigenen Platz aber hatte Sängerin Kristin Wieduwilt bereits ganz am Anfang benannt, ehe sie in das passende Kleid zum großen Gefühlskino wechselte: „I am standing in Light". Da gehört sie auch hin - wie die anderen fünf von L´arc six.


^up . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . copyright by l'arc six 2002