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L´arc six stellen heute in der Marienkirche Dessau
ihr viertes Album vor.
Von Andreas Hillger,
Mitteldeutsche Zeitung, 01.05.2004
Dessau/MZ. Am Anfang ist es nur weißes Rauschen, bald aber mischen sich Instrumente und eine Stimme in den Klang: „Du bist der Kiesel in meinem Kuchen", singt sie. Und: „Du bist das Geschirr, das ich zerbreche". Kann man auf solcher Basis eine leidenschaftliche Beziehung entwickeln? Und darf man gleich zu Beginn bekunden, dass man unendlich müde sei?
Man kann, man darf - wie die neue CD des Dessauer Sextetts L´arc six beweist. Denn dass die Band ihre elf neuen Lieder unter dem Etikett „Wild Milk" versammelt und damit ein eigentlich sanftes Getränk in heftige Wallung versetzt, ist Programm. In seinen Texten kombiniert Saxophonist Jörg Naumann souveräner denn je paradoxe Motive, die sich erst aus einiger Distanz zum stimmigen Bild fügen. Und die Musiker um den Pianisten Christoph Reuter und die Sängerin Kristin Wieduwilt mischen dazu sorgfältig abgetönte Farben, die wie immer durch die raffinierte Perkussion von Thomas Rüdiger und Falk Röske grundiert und gelegentlich von Gerald Manskes Streicher-Arrangements aufgehellt werden. Das Ergebnis ist feinsinniger Kammer-Pop, der mit einer gemeinsamen Feier der Einsamkeit seinen ersten Höhepunkt findet. Später wird man auf dieser Reise von Gestern nach Morgen in einem Hotel in Cornwall einchecken, wo „Time" schon im Abgleich des Alltags an der Rezeption unaufhaltsam verrinnt. Und endlich wird - kurz vor Schluss - das Versprechen auf den „Next Song" gegeben, der eine reine Feier der Schönheit enthalten soll - ohne Worte natürlich.
Immer wieder aber geht es in diesen Miniaturen um das Musizieren selbst - und damit um jene Form der Verständigung, die L´arc six bestens beherrscht. Im Dialog der weiblichen und männlichen Stimme sowie in der vielfältigen Auslotung der ungewöhnlichen Instrumental-Besetzung hat die Band inzwischen eine Perfektion erreicht, die sie weit über das Lokal-Niveau heraushebt. Dass sie sich bislang dennoch nur im regionalen Rahmen Gehör verschafft, mag an ihrer Vorliebe für leise Töne liegen - „Wild Milk" mit viel Honig eben.
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