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Von Simone Schmollack,
(„Melodie und Rhythmus“, 3/2004)
Jedes Jahr ist es ist das Gleiche. Kaum hängen in Dessau die ersten Plakate, ist wenige Tage später das Konzert ausverkauft. Helle Aufregung erfasst die zu Unrecht verschmähte und einzig für ihr Bauhaus bekannte Stadt in Sachsen-Anhalt. Doch es sind nicht die Stones oder Santana, die sich ankündigen: es ist l´arc six .
Im Anhaltischen längst Synonym für eine perfekte Mischung aus akustischem Pop, Jazz und Weltmusik, sind die fünf Musiker und ihre Sängerin über die Ländergrenzen hinaus (noch) nicht sehr bekannt. Dabei könnten sie durchaus in Wuppertal, Mönchengladbach, Berlin oder Hamburg die Säle füllen. Doch das zählt gar nicht zu ihrem Konzept. Seit einigen Jahren treten l´arc six einmal im Frühjahr in Dessau und im Winter im Bernburger Theater auf. Dabei geht es nicht ums Geld, wie die Musiker versichern, sondern um den Spaß.
Für die Region ein musikalisches Highlight und für l'arc six ein Heimspiel. Und immer so etwas wie ein Fest mit Freunden und der Familie, sagt Pianist Christoph Reuter. Die Musiker stammen aus der Gegend und sind durch ihre Songs, die von der Liebe und von Wehmut erzählen, die Frohsinn ausstrahlen und Sehnsüchte wecken, vielen bekannt. Manche, die aufgrund eines Jobs wegzogen, kommen von weit her, um zu hören, wie es klingt, wenn andere singen, was man selbst nicht ausdrücken kann.
Die Texte stammen fast alle aus der Feder von Jörg Naumann, der mit Christoph Reuter und Sängerin Kristin Wieduwilt auch die meisten Stücke komponiert. Gehen die drei dann mit Gerald Manske (cello), Thomas Rüdiger (dr) und Falk Röske (perc) in den Probenraum, wird gemeinsam arrangiert. "Wir sind immer wieder erstaunt, wie Songs aus dem Nichts entstehen" so Jörg Naumann.
l´arc six setzt heute ausschließlich auf englische Texte, die sich einer poetischen und bilderreichen Sprache bedienen, die zuweilen so sinnlich und gleichzeitig verstörend ist, dass sie ins Deutsche nur stümperhaft übertragen werden könnte. Denn wie würde man wohl den "flamekeeper in the rain" deutsch benennen? Manchmal genügt auch nur ein Wort - "snow" oder "twilight" - um eine anrührende Geschichte zu erzählen. Am schönsten sind jene Stücke, in denen die Musiker von sich berichten, von ihren Stimmungen, ihren Träumen, ihren Ängsten.
Wer l'arc six über die Jahre verfolgt, kann den Werdegang einer jungen Band exemplarisch nachvollziehen. Ihre erste CD "Saturday afternoon" ist unentschlossener und vorsichtiger als die folgenden "seven wonders", "lost letters. found" und "wild milk" Aber sie enthält Stücke, die wahrscheinlich auch in zehn Jahren noch gut sind - gerade, weil sie so unbedarft daherkommen. "wild milk" ihre aktuelle CD, ist ausgefeilt bis in die letzte Note, ohne jedoch Gefahr zu laufen, steril zu sein. Mal vibriert eine ausgelassene Spielfreude, dann geht es wieder ganz melancholisch zu. Die Platte trägt einen fort und versetzt in den Zustand zu glauben, dass Musik doch die Welt verändern kann.
Mit einer beeindruckenden Kontinuität gestalten die Sechs ihr " Liebhaberprojekt". Das heißt nicht nur, jedes Jahr eine neue Platte zu machen, sondern ihr immer etwas Besonderes hinzuzufügen. Seit "wild milk" sitzt ein klassisches Streichquartett mit auf der Bühne und verleiht der Musik ein unverwechselbares Klangbild.
Am auffälligsten hat sich wohl Kristin Wieduwilt verändert. Aus einem eher scheuen Mädchen ist eine selbstbewusste Frau mit einem enormen Stimmenvolumen und einer deutlichen Bühnenpräsenz geworden. Sie prägt auf elegante und kraftvolle Weise das Gesicht von l'arc six. Eigentlich sollte die Band in andere Regionen aufbrechen. Oder vielleicht fahren Berliner, Hamburger und Wuppertaler einfach nach Dessau?
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