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Begeisterter Applaus für ausverkauftes Eröffnungskonzert der Freiberger Jazztage
Von Matthias Zwarg (Freie Presse Freiberg, 26.04.2008)
Man muß sie einfach mögen, die fröhlichen Kompromisse zwischen Klassik und Jazz, die traditionell die Freiberger Jazztage eröffnen. „Vivaldi meets Jazz“ hieß es am Donnerstagabend in der Nikolaikirche, und wenn auch der Meister des Violinkonzerts nicht allzu extreme Improvisationen ertragen mußte, so bescherte das Programm doch der Mittel-sächsischen Philharmonie ein volles Haus, vereinte klassisches Konzert- und Jazzpublikum und sorgte nach drei Stunden für begeisterten Applaus.
Es ist eine Freude, den Funken sprühenden Generalmusikdirektor Jan Michael Horstmann mit seinem experimentier-, risiko- und musizierfreudigen Orchester zu sehen, das es manchmal vor Begeisterung kaum auf den Sitzen hält. Höhepunkt: Das mit Kadenzen des Dresdner Kompinosten Rainer Lischka bereicherte Vivaldi-Konzert für zwei Violoncelli, Streicher und Basso Continuo g-Moll. Die Uraufführung des Werkes zeigte, wie berührend der schöpferische Umgang mit überlieferten Kompositionen sein kann. Lischkas Kompositionen brechen die schwungvolle, teils etwas selbstverliebt-unverbindliche Homogenität des Konzerts auf, verleihen ihm Tiefe und eine gewisse Tragik, die aus dem Wissen des Nachgeborenen rühren mag und das Werk respektvoll um eine Bedeutungsebene ergänzt. Ein Glanzpunkt des Konzerts, der den anwesenden Komponisten überzeugte.
Für eine weitere Verbindung zur Moderne sorgte Cristin Claas mit ihrer Begleitband l´arc six. Die junge Sängerin, die sich zwischen sanftem Jazz, Lied und Weltmusik bewegt, hat eine schöne Stimme, die sich mühelos an die Musik anschmiegt, manchmal an den Instrumenten abperlt, sich einfügt oder, selten, über sie erhebt. Sie bewahrt auch dann eine sympathische Ruhe, wenn das mit ausgezeichneten Arrangements versehene Orchester naturgemäß etwas zum Pathos neigt. Manchmal allerdings arbeiten sich die hoch talentierten Musiker der Combo an etwas zu wenig belangvollen Wohlklängen ab. Sie scheuen das Risiko, bieten virtuos, aber unentschlossen vom traditionellen Kinderlied bis zum Brecht-Text von allem etwas, ohne irgendwo anzuecken. Die Texte fordern die Stimme noch nicht genügend heraus, so daß das Sextett am besten ist, wenn Cristin Claas, meist am Ende der Lieder, in einer Fantasiesprache frei phrasiert oder selbst Werbung für die neue CD und die üneraus lang geratene Bandvorstellung in Musik faßt. Diesem Charme freilich kann man sich nicht entziehen, so daß Applaus und Zugabe wohlverdient waren.
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