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(Von Gabriele Gelbrich, Sächsische Zeitung, 22.04.2008)
Herr Horstmann, vor fast genau einem Jahr sorgten Sie zum Sinfoniekonzert im Döbelner Theater für ein Treffen von Bach mit Jazz. Das Haus war damals außerordentlich gut gefüllt. Hat Sie dieser Erfolg dazu ermutigt, einmal den beliebten Antonio Vivaldi mit Jazz zu verkuppeln?
Genau! Die Vitalität und Improvisationskunst des Barock ist ja der des Jazz sehr verwandt. Und gerade die unglaublich brillant-virtuose Musik des venezianischen "roten Priesters", wie Vivaldi genannt wurde, wird zündende Auftakte zu beiden Konzerthälften geben.
Eingeladen haben Sie diesmal Cristin Claas & l'arc six. Die Band hat schon zum Kurt-Weill-Fest begeistert, ist mit der Anhaltischen Philharmonie aufgetreten. Wie kam es zur Einladung nach Döbeln?
Den Gitarristen Stephan Bormann kenne ich schon lange Jahre seit einer gemeinsam bestrittenen "Hair"-Produktion in Magdeburg. Und als er, der seit einigen Jahren in Dresden lebt, gehört hatte, dass ich in die Nähe gekommen bin, rief er an und schlug das gemeinsame Projekt vor. Und die CD, die er von den Dessauer Konzerten mitgeschickt hat, hat mich förmlich umgehauen.
Im Programm kündigen sie deren Auftritte recht knapp mit "1. Block" und "2. Block" an. Was erwartet denn das Publikum?
Ja, zur Drucklegung des Spielzeitheftes stand die Reihenfolge noch nicht fest, daher die Knappheit. Es werden nach den einleitenden Streichersinfonien und Doppelkonzerten Vivaldis jeweils fünf und sechs Lieder mit Cristin Claas und ihrer Band, begleitet von der Philharmonie zu hören sein, darunter ein paar von meinen echten Favoriten, Lieder voller Träume, Sehnsüchte, Zartheit, ein herrlicher Gegensatz zum stürmischen Vivaldi.
Neben modernen Klängen werden vier Konzerte von Antonio Vivaldi zu hören sein. Welchen Stellenwert hat die Musik des Venezianers für Sie persönlich? Haben Sie eigentlich einen Lieblingskomponisten?
Mein Lieblingskomponist ist (fast immer) derjenige, an dessen Werk ich gerade arbeite. Aber Vivaldi hat selbstverständlich bei einem Barock-Freund wie mir einen sehr hohen Stellenwert. Ich habe gerade in Magdeburg seine Oper "Orlando Furioso" einstudiert und wieder gestaunt, wie er sich auf jedem seiner Betätigungsfelder meisterhaft bewegt hat, seien es Instrumentalkonzerte, Opernarien oder geistliche Werke.
Als Solisten spielen die vier Ensemblemitglieder Silviu Dragus und Michael Fallenstein (beide Violoncello), Carol Faytol und Ingolf Barth (beide Trompete). Macht es für Sie als Dirigenten eigentlich einen Unterschied, ob Sie mit externen oder mit Solisten aus dem eigenen Orchester arbeiten?
Unsere Musiker sind mit so großem Engagement und Enthusiasmus bei der Sache, dass es sich von selbst versteht, von Zeit zu Zeit sie mit solistischen Aufgaben zu betrauen. Und gerade die Trompeten- und Cellogruppen sind so harmonisch, dass es eine Freude ist, die Werke vorzubereiten. Besonders schön und erwähnenswert finde ich, dass auf Initiative des Solocellisten der Dresdner Komponist Rainer Lischka zu dem Cello-Doppelkonzert drei Kadenzen komponiert hat, die leicht ins Jazzige gehen und so einen schönen Bogen zu den folgenden Jazz- Werken spannen.
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