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![]() Presse Euphorisches Wellenreiten |
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Im ausverkauften Theater feiert das Publikum das Orchester und die Band "l´arc six" Von Ute van der Sanden (Mitteldeutsche Zeitung, 20.11.2007) Selten gerät ein Konzert, an dem ein städtisches Sinfonieorchester beteiligt ist, dermaßen zum Ereignis wie der Auftritt der Anhaltischen Philharmonie mit der Gruppe "l´arc six" am Sonnabend im Dessauer Theater. Bereits vor einem Jahr hatten das kleine innovative und das große traditionelle Ensemble zusammengefunden. Nun, da die erste gemeinsame Einspielung vorliegt, trafen sie sich zum Wellenreiten "in einem Meer von Tönen". Der Bühnengrund tauchte in Tiefblau. Nicht die Titel der CD, zwei Uraufführungen eröffneten den Abend: eine von Gerald Manske, stellvertretender Solocellist der Philharmonie und Bandmitglied bei "l´arc six". Und eine des von den Fans kräftig bejubelten Pianisten Christoph Reuter, der seine Musik nicht lediglich dem Instrument anvertraut, sondern sie gemeinhin auf sehr spezielle Weise auch körperlich darstellt. Erwies sich aber das musikalische Material als so ergiebig, so substanziell und so vermittlungsbedürftig, dass es den Aufwand rechtfertigte? Erst nein, dann jein, vom politischen Standpunkt betrachtet: unbedingt ja. Denn das Zusammentreffen dieser Ensembles vor diesem Publikum in diesem rappelvollen Theatersaal kam - im besten Sinne - einem Politikum gleich. Noch nie, freuten sich die Musiker der Band "l´arc six", seien sie vor so vielen Menschen aufgetreten. Es war höchste Zeit. "Ein Traum wird wahr", sprachen sie über das Gemeinschaftswerk. Ähnlich dürften die Orchestermusiker empfunden haben: Gunstbeweise, die den Entäußerungen der Groupies bei einem Popkonzert nicht ganz unähnlich verliefen, erhalten die Philharmonie und ihr Chefdirigent Golo Berg nicht alle Tage, dazu in solcher Einhelligkeit über mehrere Zuhörergenerationen hinweg. Manchmal macht mehr als der Ton selbst dessen Resonanzfähigkeit die Musik. Hatte Gerald Manskes Komposition "Schatten" zuvorderst von der Schwierigkeit erzählt, einen spannenden, über den Wohlklang hinaus interessanten langsamen Orchestersatz zu schreiben, gaben sich danach Christoph Reuters "Movements" als soundstarke Großoffensive zu erkennen: vier thematisch unverbundene Sätze für Jazzpiano mit Orchester - mit dem Komponisten am Flügel, versteht sich. Weit wie das Meer dehnte sich das Stück, großes Kino ohne Film, das zweifelsohne tiefe Momente birgt, vom glitzernden Hauch bis zum leidenschaftlichen Brausen. Jedoch, es hat auch Untiefen, lüftet flache Themen, enthält sich motivischer und konzeptioneller Arbeit. Nach einer rigorosen Straffung gewänne es gewiss auch an Fahrt. . Endlich standen dann "l´arc six" vor dem Orchester, mit ihnen die melancholischen bis melodramatischen Songs und jene Frau, die der Produktion ihre faszinierend klare Stimme, ihr Gesicht und Charisma verleiht: Cristin Claas alias Kristin Wieduwilt. "In einem Meer von Tönen", benannt nach dem gleichnamigen Titel, fällt vor allem das Raffinement der exzellent gespielten Instrumentalparts auf - die wirbelnden Tabla-Rhythmen des Perkussionisten Thomas Rüdiger, das fordernde Geheul der Rockgitarre Stephan Bormanns, das hart angeblasene Flötensolo von Jörg Naumann in "Mother Tongue". Das Orchester besorgt den meist lieblichen Background, selten bekommt es das Ruder in die Hand wie im wunderbaren Prolog von Oboe und Celli zu "Zerrissener Brief". Verträumte Ausstrahlung, sinnende Texte - hitverdächtig ist die ganze Platte, aber die frechfrivole Volksliedbearbeitung der "Hasen" ein echter Geheimtipp. Es wurde ein langer, frenetischer Abend. Die Band dankte dem Orchester, das Publikum dankte mit stehendem Applaus den Mitwirkenden, die Musiker dankten mit Zugaben sich und dem Publikum. Während eines hinreißenden Abspanns verpackte Kristin Wieduwilt/Claas die Meldung über den anschließenden CD-Verkauf samt Gesangsanimation des Publikums und Bandvorstellung in ein winterhartes Crescendo. Anschließend verlas sie mit zuckersüßem Stimmchen die Namen aller Philharmoniker. Kein Beleuchter, kein Techniker blieb unerwähnt. Ob die blonde Sängerin mit Gänsehaut-Timbre "liebe Männer" ins Mikrofon wispert oder Telefonbücher und Fernsehprogramme vorsingt, scheint angesichts ihrer unwiderstehlichen Bühnenpräsenz sowieso herzlich egal. |
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| ^up . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . copyright by l'arc six 2002 |