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Von Andreas Hillger („Mitteldeutsche Zeitung“, 8.6.2006)
Dessau/MZ. Alt vertraute Sätze gewinnen oft eine ganz neue Bedeutung, wenn man sie in eine veränderte Umgebung stellt: Während der l´arc six-Titel „Favour“ in den bisherigen Konzerten der Dessauer Band ganz selbstverständlich auf eine Liebe gemünzt war, schien er beim Auftritt im Umweltbundesamt plötzlich die ungewohnte Allianz mit der Anhaltischen Philharmonie zu meinen. Und eine „Gefallen“ taten sich die beiden Partner ja tatsächlich: Der raffinierte Pop der Band um Sängerin Cristin Claas durfte sich endlich auf jenem dichten Klangteppich räkeln, den ein Sinfonioeorchester bietet. Und die Musiker um ihren Chefdirigenten Golo Berg erschlossen sich im Umkehrschluß zusätzliche Hörer.
Daß diese Fusion nicht immer so perfekte Ergebnisse wie im frech geschnittenen „Wenn ich ein Vöglein wär“ oder im machtvoll stampfenden „Someday I´ll go unbound“ zeitigte, lag gewiß auch an der Verführungskraft des großen Apparats: Im ausufernden Instrumental „The face in the sky“ beispielsweise musizierten Solisten und Klangkörper beispielsweise oft unverbindlich aneinander vorbei, während etwa die Brecht-Vertonung „Wolke der Nacht“ hörbar von der elektrisierten Gewitterstimmung der Philharmonike profitierte.
Daß dieses Stück wie eine Vorahnung des Kommenden wirken sollte, wußte man freilich erst im Nachhinein. Da nämlich hatte Tobias Melles „Alpensinfonie in Bildern“ eine ganz andere Fusion vorgeführt - die illustrative und phantasie-zähmende Übersetzung von Klang in Ansicht. (...)
Während sich l´arc six und die Anhaltische Philharmonie im Idealfall also zu einer neuen Einheit verbanden, verstellten hier die Bilder oft die ungehinderte Wahrnehmung der Musik. Das aber war um so bedauerlicher, als Golo Berg mit seinen Musikern auch unter den heiklen akustischen Bedingungen des UBA-Atriums jede Nuance der gigantischen Bergwanderung auskostete und am Ende glücklich Tal und Nacht erreichte. (...)
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