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Einfach atemberaubend: New Sounds treffen rote Posaune



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Von Helmut Rohm,
(„Volksstimme“, 11.03.2006)

„Sie haben eine unwahrscheinliche Arbeit geleistet, ganz intensiv, total ideen- und einfallsreich", erzählte Nils Landgren, einer der erfolgreichsten und einflussreichsten europäischen Jazzmusiker. Und er ist ein ganz sympathischer dazu. Die er da meinte, sind die Musiker des "Cristin-Claas-Trios" und von "l´arc six". Mr. Red Horn, wie man den gerade 50 Jahre alt gewordenen Schweden
wegen seiner metallic-roten Posaune auch liebevoll nennt, ist mit den beiden kleinen Ensembles aufgetreten.

"Die Liebe fängt erst an" hieß das gemeinsame Programm. Anlass war das Kurt-Weill-Fest, Auftrittsort die Dessauer Marienkirche. Für dieses Programm wurden einerseits Songs von Kurt Weill vorwiegend von Christoph Reuter (Klavier) und Cristin Claas oder von beiden gemeinsam neu arrangiert, andererseits eigene Neuvertonungen von Brecht-Balladen geschaffen.

Den stimmungsvollen Auftakt gestaltete „l´arc six" mit dem gänzlich eigenen Werk "Someday I´ll Go Unbound“ (Komposition: Cristin Claas und l´arc six, Text: Cristin Claas und Jörg Naumann). Wenn Cristin Claas singt, spürt der Zuhörer, dass sie etwas mitzuteilen hat, dass sie mit Stimme, Körper und Gefühl diese Texte lebt. Die Musiker Christoph Reuter (Piano und Fender Rhodes), Stephan Bormann (Akustik- und E-Gitarre), Jörg Naumann (Saxofon und Flöte), Gerald Manske (Cello) und Thomas Rüdiger (Drums, Percussion und Tabla) sind hervorragende Könner auf ihren Instrumenten. In den zahlreichen in die Kompositionen eingearbeiteten Abschnitten, obendrein mit den ebenso effektvoll praktizierten freien Improvisationen haben sie alle mehrfach bemerkenswerte, von den begeisterten Gästen mit verdient großem Beifall anerkannte Proben ihrer Professionalität gegeben.

Als Special Guest fügte sich Nils Landgren ganz harmonisch in das Ensemble ein, hat sich nie in den Vordergrund gespielt. "Ich habe mich wie einer von ihnen gefühlt.'' Seine mitreißenden Soli ließen den Atem stocken, wie gebannt folgten die Zuschauer der fast unglaublichen Tongestaltung. Mit seiner samtweich geblasenen Posaune, mit der für Nils Landgren scheinbar kein Ton zu hoch und zu tief ist, mit der er Piani fast nur hinhaucht, ebenso kraftvoll rocken kann, verzaubert er seine Gäste. Sie merken auch, dass alle auf der Bühne sehr konzentriert musizieren, aber es jedoch mit spürbarer Freude tun.

Bei der Auswahl und der Anordnung der Liedabfolge bewiesen die Programmgestalter gutes Geschick für Wirkung. Da war nichts auf vordergründigen Effekt abgestellt. Die Einheit von Textinhalten und der feinfühligen Art und Weise der Präsentation kam an, traf Geist und Gefühl der Gäste.

Von tiefer Emotionalität waren unter anderem der 5. Psalm vom "Gesang aus dem Aquarium" (Christoph Reuter / Bertolt Brecht) oder der von Cristin Claas vertonte Text "Vom ertrunkenen Mädchen" von Bertolt Brecht, den sie, von Christoph Reuter am Klavier begleitet, mit Hingabe und Gefühl vortrug. Zu den Brecht-Stücken gehörten auch das "Liebeslied", "Das Lied von der Wolke der Nacht" und die sehr lyrischen Liebeslieder (1-IV). die von Cristin Claas neu vertont und mit reizvollem lyrischem Gespür gesungen wurden.

Der Schauspieler Andreas Hüttner bereicherte das Programm mit den gekonnt im Brecht´schen Stil vorgetragenen Brecht-Texten, so zum Beispiel "Morgens und abends zu lesen" oder "Der abgerissene Strick kann wieder geknotet werden".

Zu den Höhepunkten des Konzertes zählten unmittelbar vor der Pause "My Ship" von Kurt Weill und Ira Gershwin im neuen Arrangement von Cristin Claas sowie zum Abschluss die wohl weltbekannte "Moritat von Mackie Messer", die von „l´arc six" in einer wieder speziellen Art arrangiert wurde. Nicht nur hier beteiligte sich Nils Landgren neben seinem Posaunenspiel auch als Sänger im Duett mit Cristin Claas.

Die Gäste in der vollbesetzten Marienkirche spendeten euphorisch Applaus, dankten mit Bravos und Füßetrampeln für dieses spektakuläre Konzert.

Mdr Figaro hat das Konzert aufgezeichnet und sendet es am 21. Mai um 23 Uhr.

^up . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . copyright by l'arc six 2002